Itchy Feet

Es ist viel in den letzten Monaten passiert, das Leben gibt Vollgas und ich muss sehen, dass ich hinterher komme. Ich habe die letzten Monate vorzugsweise damit verbracht, meine Master-Thesis zu schreiben und meinem Studium endlich einen Schlusspunkt zu setzten.

Vor gut einem Monat habe ich dann die Thesis abgegeben und warte nun auf das Ergebnis, das in den nächsten Tagen eintreffen wird. Eine Ära geht zu Ende und beginnt etwa jetzt „der Ernst des Lebens“?

Während dieser nervenraubenden Zeit hab ich mich immer wieder Entspannungsphasen gegönnt und zumindest im Geiste auf den Appalachian Trail begeben. Die vielen tollen, atemberaubenden Momente die Schönheit der Natur und die vielen netten Leute mit denen ich diese teilen durfte, fehlen mir und der Hunger nach der nächsten Wanderung wächst und wächst.

Erfreulicherweise ist auch mein neues Zelt, das ich im April bestellt habe, nach sechs Monaten schon angekommen. Es hat auf seiner Reise zu mir drei Mal den Atlantik überquert, mit dem Flugzeug und dem Schiff, wurde an einem Wanderrucksack ein Teil seines Weges transportiert und hat sogar den Startpunkt des Appalachian Trails gesehen.

Vor gut einer Woche haben meine Füße und mein Geist so laut nach Natur und dem Trailleben geschrien, dass ich mein Rucksack gepackt habe und mich auf in die Natur gemacht habe. Der Weg führte mich nach Bad Driburg auf den Eggeweg, bzw. auf den E1. Zwei Etappen bei wunderschönen Sonnenschein und frischen Herbstlichen Temperaturen lagen vor mir.

Nach dem Aufstieg zur Iburg ging es bewegt, leider für meinen Geschmack viel zu oft über befestigte Wanderwege, über den Kammweg. Schöne Ausblicke und wunderbare Einsamkeit in zauberhaften Märchenwäldern und immer wieder die Möglichkeit sich ein paar Minuten durch die herrlich warmen Sonnenstrahlen wärmen zu lassen. Leider musste ich etwa auf der Hälfte der ersten Etappe feststellen, dass zwar eine neue Gaskartusche eingepackt hatte, das der Kocher jedoch nicht den Weg in mein Rucksack gefunden hat. Also kein warmes Getränk und keine warme Mahlzeit, bei Temperaturen die sich Nachts nahe dem Gefrierpunkt bewegen. Mir blieben also nur ein Früchtebrot, eine Packung Studentenfutter und eine Handvoll Müsliriegel. Für zwei Tage kann man seine Ansprüche ja schon mal etwas zurückschrauben.

Die Nacht habe ich dann im neuen Zelt neben einer der reichlich vorhandenen Schutzhütten verbracht. Gegen kurz nach sieben von den ersten Sonnenstrahlen geweckt ging es dann ohne signifikantes Frühstück los. Entlang der Teutoniaklippen bis zu Biernbaums Nagel über wunderschöne kleine  Wanderpfade, vom Nagel leider keine Fernsicht aber immerhin ein kleiner Überblick über den Kam der Egge. Gegen Mittag erreichte ich dann mein Etappenziel und machte mich voller Energie auf dem Weg zurück in den Alltag.

 

           

Werbeanzeigen
Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Hermannshöhen

Nachdem mein Hunger auf Natur und wandern in den letzten Wochen und Monaten deutlich gestiegen ist habe ich heute meinen Rucksack gepackt und werde mich morgen bei wunderschönen Frühlingswetter in den Zug setzen und nach Rheine fahren .

In Rheine beginnt der historische Kammweg „Hermannsweg“ der mich über 156km Länge zum „Eggeweg“ und dieser schließlich in das noch einmal 72 km entfernte Marsberg im Sauerland führt. Neben Natur und hoffentlich tollen Wetter erwarten mich Schloss- und Burganlagen, historische Stadtkerne und das 54 Meter hohe Arminius Denkmal.
Ich kann es kaum erwarten in ein paar Stunden meine Wanderschuhe anzuziehen, den Rucksack zu schultern und dann wieder das zu tun was mir so viel Ruhe und Entspannung gibt. Das Rucksackpacken ging recht schnell, ich habe dieses mal ein anderes Zelt dabei, mein Tarptent hat sein Weg zurück auf den Appalachiantrail gefunden, ein zwar schwereres aber dafür doppelwandiges MSR Hubba Hubba. Verpflegung hab ich für vier Tage im Rucksack und werde dann in Bielefeld bei meinen Eltern meine Vorräte wieder auffrischen, sie wohnen keinen Kilometer vom Hermannsweg entfernt.

Falls jetzt jemand Lust bekommen hat und in den nächsten Tagen ein bisschen Zeit hat, mich für ein Paar Stunden oder Tage begleiten will so meldet euch doch einfach und ich teil euch mit wo ich mich gerade befinde.

Ich werde in den nächsten Tagen immer mal wieder kurz berichten und auch das ein oder andere Foto hochladen….

Ich wünsche euch eine schöne Woche

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Presseartikel – Schokolade als Lebensretter

Es ist kaum zu glauben, die Zeit fliegt schon wieder an einem vorbei und es ist schon fast wieder Mitte Februar. Der Alltag hat mich wieder und somit auch viele der alltäglichen Probleme und Aufgaben.

In den letzten Wochen habe ich es leider immer nur mal kurz geschafft ein paar kleinere Wanderungen oder viellmehr längere Spaziergänge zu unternehmen und auch das Lauftraining geht nur schleppend vorran.

Im Moment plane ich ein bisschen an der nächsten „größeren“ Reise! Es soll nach Corsica gehen und dort gut 200 Kilometer über den GR20. Erste Literatur ist bestellt und liegt schon bereit und auch Erfahrungsberichte von Freunden helfen da gut weiter.

Vor ein paar Wochen hatte ich mich mit Hendrik Uffmann vom Westfalenblatt getroffen und ihm ein bisschen über meinen Erfahrungen auf dem Appalachiantrail erzählt. Zusammen mit ein paar Fotos hat er ein netten Artikel geschrieben der vor kurzem veröffentlicht wurde.

In ein paar Wochen ist hoffentlich auch der Winter vorbei und wärmere Temperaturen werden mich dann wieder in die Natur herauslocken….

Hier aber erstmal der Artikel, viel Spaß beim lesen…

Zeitungsartikel Westfalenblatt 26.01.2011

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Neues Jahr, neuer Alltag

2011, ein neues Jahr und es ist kaum zu glauben das ich schon seit ein paar Wochen zurück in Deutschland bin, stand ich nicht erst vor zwei Wochen am Start meiner Reise und bin den Mount Kathadin hinauf gestiegen?

Wenn ich zurück denke habe ich Glück gehabt das bei meinem Rückflug alles reibungslos geklappt hat, die Maschinen hatten keine Verspätung und die Flughäfen waren an meinem Rückreisetag vom Schneechaos verschont geblieben. In Deutschland wurde ich nüchtern und ohne jede Freundlichkeit von den Zollbeamten empfangen. Ich weiß nicht ob es an der frühen Uhrzeit lag oder daran, dass der Deutsche an sich nicht so freundlich ist, im Vergleich zum Amerikaner.

Das Schneechaos empfängt mich dann mit unglaublichen Schneemassen. Die Zugfahrt zu Weihnachten von Wuppertal nach Lübeck gestaltet sich spannend, zum Glück wurde das Zugticket recht früh zum Sparpreis gekauft und so darf ich den Luxus der ersten Klasse genießen. Ich  bin, da der ICE Verkehr eingestellt wurde  vorsichtshalber 4 Stunden vor der eigentlichen Abfahrt am Bahnhof und bekomme einen IC, der mich ohne größere Probleme bis nach Lübeck bringt.

Nach einem besinnlichen Weihnachtsfest verbringe ich die Zeit zwischen den Jahren mit einer Erkältung im Bett, das neue Jahr wird in Bielefeld eingeläutet.

Der Alltag hat mich so langsam wieder, eine neue Wohnung, die Arbeit wieder aufgenommen, Telefonate mit dem Finanzamt, Termine beim Einwohnermeldeamt, KFZ Zulassungsbehörde, etc…  Es kostet eine Menge Nerven, bis alle Behördengänge erledigt sind und man offiziell wieder gemeldet ist.

In Gedanken reise ich oft zurück auf den Trail, vermisse die Zeit der Gelassenheit, die Zeit in der man sich mit einfachen Problemen wie essen, schlafen, wandern beschäftigt hat. Ich merke aber auch das sich für mich einiges hier in Deutschland geändert hat, ich bin mit mir viel zufriedener und schaffe es mein Leben mehr zu genießen.

Bei meinem Einzug in mein neues Zimmer ist mir aufgefallen, was man doch alles für unnötige Dinge besitzt. – Kistenweise Blödsinn.
Ich sortiere großzügig aus, trenne mich endlich mal von all dem was doch nur in den Schränken liegt und schon seit Jahren nicht mehr getragen oder angefasst wurde.

Ich habe viereinhalb Monate nur mit dem gelebt was ich auf dem Rücken tragen konnte und auf einmal hat man wieder das Luxusproblem sich morgens entscheiden zu müssen was man heute mal anzieht, welche Schuhe man trägt und ob es doch lieber die grüne oder blaue Jacke sein soll.

Ich kann nur raten, trennt euch von dem Überflüssigen, schmeißt es aber nicht einfach weg, wenn es noch gut ist bringt es in die Kleiderspende, oder macht euch den Spaß und verkauft all die guten Dinge auf dem Flohmarkt.

Mit dem neuen Jahr stehen für mich auch neue Projekte auf dem Programm. Neben dem Wunsch mein Ingenieurbüro weiter zu führen und dem beenden meines Masterstudiums, habe ich aber auch schon wieder einige sportliche Projekte im Auge.
Hierzu zählen zum einen der Herrmannslauf im April, ein Volkslauf über 31,1 km vom Hermannsdenkmal in Detmold bis zur Sparrenburg in Bielefeld. Zum anderen planen wir an einer Umwanderung von Wuppertal, etwas mehr als 100 km in 24h, die wir gerne im Juni in Angriff nehmen würden. Ich bin aber auch gespannt was sich dieses Jahr sonst noch ergeben wird.

Ich arbeite momentan auch noch daran meine Fotos vom Trail zu sortieren und in eine sinnige Reihenfolge zu bringen. Ich schreibe kurze Notizen über die Ausrüstung und Erfahrungen vom Trail und hoffe, dass ich aus diesen Notizen und den Fotos in absehbarer Zeit ein Vortrag über den Appalachiantrail und was es bedeutet eine Fernwanderung zu machen, erarbeite.

Ich wünsche aber euch allen die ihr mein Blog verfolgt habt ein erfolgreiches Jahr 2011!

Veröffentlicht unter Allgemein | 2 Kommentare

Springer Mountain

Springer Mountain

Die letzten Tage in den USA brechen an und das Wetter ist nach wie vor bitterlich kalt, aber wunderbar sonnig!

Ein Höhepunkt des Trails steht noch aus, Springer Mountain – den Schlusspunkt des Appalachiantrails, 2179.1 Meilen südlich von Mount Katahdin. Ich starte zusammen mit Homeward Bound in den frühen Morgenstunden. Gut dreißig Meilen mit dem Auto und dann ein paar Meilen nördlich von Springer Mountain auf den Trail.

Das Wetter beschert tolle Sicht und nur mit leichtem Gepäck macht es Spaß sich auf dem Trail zu bewegen.  Oft muss ich mich über große Eisplatten bewegen, an den Felsen rechts und links vom Trail haben sich enorme Eiszapfen gebildet. Zum Glück habe ich genug Wasser mit und bin nicht darauf angewiesen mein Wasser aus einem Fluss, einer Quelle oder ähnlichen zu gewinnen, die danl anhaltenden minus Temperaturen komplett zugefroren sind.  Die einzige Möglichkeit jetzt noch das gefrorene Wasser zu filtern wäre, es vorher mit dem Kocher und unter Einsatz von kostbaren Brennstoff das Wasser zu schmelzen.

Springer Mountain rückt immer näher und es macht sich ein Gefühl der Anspannungin mir breit, ich werde immer aufgeregter und merke wie sich mein Puls steigert. – Auf einmal innehalten das letzte Shelter taucht auf der linken Seite auf und das bedeutet das ich nur noch 0.2 Meilen vom Ziel  entfernt bin. Wenige Minuten später stehe ich dann  an dem Ort an den ich in den letzten Monaten so viel gedacht habe, der mich so oft angetrieben hat, mir die Kraft gegeben hat weiter zu laufen und  ich mir immer wieder versucht habe auszumalen wie es sich wohl anfühlt nach 2179.1 Meilen hier anzukommen.  Ich bin erleichtert, unendlich glücklich, fast euphorisch,  aber auch gleichzeitig traurig, immerhin ist das Abenteuer Appalachiantrail 2010 hiermit, mit dem Erreichen der bronzeplatte beendet. Im Anschluss ging es über den Approach Trail zu den Amicalola Falls.

Jedes Ende ist aber auch ein neuer Anfang und ich muss mich langsam auf meine Rückkehr nach Deutschland einstellen.  Wieder ein neuen Alltag finden, weitab von 20 Meilen am Tag wandern, das nächste Shelter erreichen, Wasserquellen finden und Wasser zu filtern.

Immerhin habe ich in den letzten 4 Monaten mein Leben und alles was ich zum Leben brauche auf meinem Rücken getragen, mich mit meinen Füßen dorthin bewegt wo ich mein Ziel gesehen habe. In Deutschland wird wohl noch alles so sein wie es vor ein paar Monaten war, nur werde ich es durch meine Augen ganz anders sehen.

Ich habe immer noch guten Kontakt zu den Leuten mit denen ich in den letzten Monaten auf dem Trail unterwegs war. Inzwischen ist keiner von ihnen mehr auf dem Trail, der letzte von ihnen hat Ende November den Trail zusammen mit seiner Frau verlassen, nachdem er sich an einem gefrorenen Snickers einen Zahn ausgebissen hat. Von den neun Wanderern, die mit mir gestartet sind, bzw. mit denen ich Kontakt hatte, hat gerade mal einer den Trail als Thruhiker beendet.

Der Elch der mich auf meiner Reise begleitet hat, wohnt nun am Springer Mountain und vielleicht wird er dort im nächsten Jahr von einem Thrue Hiker gefunden und wieder mit bis zum Mount Katahdin genommen.

Veröffentlicht unter Allgemein | 7 Kommentare

Georgia on my mind

Nach einer tollen und sehr erholsamen Zeit in Greensboro – North Carolina bin ich anfang letzter Woche mit dem Bus nach New York gefahren.

Die Busfahrt war eine der ganz besonderen Art. China Bus, der Busfahrer spricht kein Englisch, der Bus ist ungemuetlich, kostet dafuer aber gerade einmal 30$ fuer eine 11 Stunden Fahrt. In New York schlafe ich wieder im Internationalen Hostel 103th / Amsterdam Av. und geniesse es die Stadt zu erkunden, ganz ohne Stress. Die Geschaefte und Strassen sind weihnachtlich dekoriert, ein Traum in bunt, alles leuchte und funkelt, die Lichter und auch die Augen der Kinder die vor den Spielzeuggeschaeften stehen.

Ich bin begeistert und geniesse es einfach ohne Ziel loszulaufen, hier und da einzukehren, mich mitreissen lassen von den Menschen und kann gar nicht fassen wie schnell die Zeit vergeht. Ich besuche eine Freundin aus der Schule, die seit ein paar Jahren mit ihrem Mann in New York wohnt, sitzen bei unbeschreiblicher Aussicht da, essen Sushi und haben uns so viel zu berichten und erzaehlen.

Es wird langsam aber sicher immer kaelter und ich muss mich so langsam dran gewoehnen wieder lange Hosen zu tragen. Mein Flug nach Atlanta beginnt dann direkt mit den ersten Schwierigkeiten, ich bin 12 Stunden zu spaet am Flughafen. Ich weiss nicht was schief gegangen ist, ich hab hundertprozentig fuer 18 Uhr gebucht und nicht fuer 6 Uhr. Aber wenn man Besitzer einer Creditkarte ist, ist kann man problemlos auch ein spaeteren Flug nehmen.

Georgia begruesst mich ganz herzlich, Homeward Bound holt mich ab und wir werden in den naechsten Tagen auf eine letzte Etappe auf den Trail starten. Wir werden mal wieder Slackpacken, schaffen dadurch wieder laengere Strecken und koenenn vor allem Nachts in einem warmen Haus schlafen. Die Temperaturen bewegen sich um den Gefrierpunkt, bei wunderschoenen sonnigen Wetter, Nachts wird es aber bis minus 12 Grad auf dem Trail und dafuer reicht die Ausruestung die wir haben bei weitem nicht aus.

Das Ende meines Abenteuer rueckt immer naeher und ich blicke recht zwiegespalten auf das Ende der Reise. Ich hatte eine wunderschoene Zeit auf dem Trail, habe tolle Leute kennengelernt, neue Freunde gefunden. Aber was ist bitte passiert, ich stand doch erst vor ein paar Wochen am Fusse von Kathadin in Maine und jetzt ist es bald schon Mitte Dezember.

Jetzt heisst es noch die letzte Etappe geniessen und mich mental so langsam auf das vorbereiten, was in Deutschland wieder auf mich wartet, all die Entscheidungen, ein Alltag…

weitere Bilder folgen in kuerze

Veröffentlicht unter Allgemein | 6 Kommentare

Me, myself and I

Ich war zuletzt eine gute Woche alleine unterwegs, nachdem sich der letzte der Mitwanderer kurz nach Harpers Ferry aus den verschiedensten Gruenden entschieden hat den Trail zu verlassen.

Eine wirklich schoene Zeit fuer mich, tief in Gedanken versunken durch wunderschoene Landschaften wandern und all die Antworten auf die Fragen finden, die mich auf meiner Reise mitgenommen habe, oder die sich mir waehrend meiner Wanderung gestellt haben.

Eine solche Wanderung dient nicht dazu eine Entscheidung zu treffen die man vorher nicht schon im Kopf gehabt hat, ganz nach dem Motto ich ziehe hinaus in die Welt und komme als ganz anderer Mensch mit ganz neuen Erkentnissen wieder. Man bestaetigt vielmehr seine Gefuehle und die Entscheidungen, die man schon tief in sich hat, mit denen man sich schon auf den Weg gemacht hat. Wirklich neue Erkentnise habe ich nicht gewonnen aber ein Gefuehl innerer Zufriedenheit macht sich immer staerker in mir breit, Dinge die mich in den letzten Monaten bewegt haben, Schwirigkeiten und Unsicherheiten die ich habe, sind mir viel bewusster und ich weiss wie ich mich ihnen zu stellen habe.

Die meisten Wanderer auf dem Trail sind im Alter zwischen 25 und 35, haben ihr Studium beendet und suchen nach einem Weg fuer ihr weiteres Leben. Ich habe viele gefragt die mit dem Ziel losgewandert sind fuer sich eine Entscheidung zu treffen, kein einziger hat mir sagen koennen das er etwas voellig neues fuer sich entdeckt hat, es war immer etwas was vorher schon existent war, was nur noch ein wenig Raum zum reifen gebraucht hat.

Die letzte Woche alleine auf dem Trail war dank tollen, wenn auch kalten Wetter, wunderschoenen Aussichten und mal wieder einem Schwarzbaeren, den ich zu Gesicht bekommen habe, aber leider nicht nur wunderbar. Die kalten Temperaturen und starken Winde machen mir ganz schoen zu schaffen. Ich merke wie mein Energiebedarf ins unermessliche steigt und so esse ich ganz gemuetlich zum Abendessen eine Instandmahlzeit fuer vier Personen. Dann vor ein paar Tagen ein Erlebniss auf dem Trail was mich wach geruettelt hat und mir schlagartig bewusst wurde das der Trail auch extrem gefaehrlich sein kann.

Nach einer eiskalten Nacht liegt ein gut 3 Meilen langer Aufstieg vor mir, strahlend blauer Himmel und Sonnenschein, nur leider fuehrt der Weg auf der  Schattenseite entlang und es weht ein extrem kalter Wind, der das Thermometer auf Minus 5 Grad Celsius sinken laesst. Ich schwitze beim Aufstieg, ziehe aber ganz gewissenhaft immer mehr Kleidungsschichten an, da ich merke das der kalte Wind mir zu stark zusetzt. An den Felsen haengen dicke Eiszapfen und vereinzelte Schneefelder saumen den Weg.

Kurz vor dem ersten Gipfel merke ich das ich ganz komisch laufe, bewege mich nahezu in Zeitlupe, kann meine Bewegungen nicht richtig koordinieren, mein Orientierungssinn ist schlagartig nicht mehr vorhanden, ich bin mir nicht mehr sicher ob ich in die richtige Richtung gehe, ob ich nicht villeicht sogar im Kreis gelaufen bin, fuehl langsam Panik in mir aufsteigen und muss mich wahnsinnig konzentrieren sie zu unterdruecken. Ich weis das ich die andere Seite des Berges erreichen muss, in der Hoffnung dort ein windgeschuetzten Platz in der Sonne finden.

Gefuehlte Ewigkeiten spaeter sitze ich dann an einer windgeschuetzten Stelle auf der sonnenseite des Berges und weis selbst garnicht wirklich wie ich dort hingekommen bin. Ich brauche unendlich lange bis ich mein Rucksack abgesetzt habe und beginne damit mein Kocher aufzubauen, mir Wasser zu erhitzen fuer eine heisse Schokolade, dazu die letzten Suessigkeiten aus meinen Vorraeten.

Ich erhole mich zum Glueck nach der ein oder anderen heissen Schokolade wieder und bin ziemlich niedergeschlagen. Was ich gerade erlebt habe waren deutliche Anzeichen einer Hypothermie. Mir wird bewusst das ich ganz alleine hier bin, mitten in den wunderschoenen Waeldern Virgina’s. Wenn mir hier etwas zustossen sollte, dann das Handy kein Empfanh hat, oder ich nicht mehr in der Lage sein sollte zu telefonieren, kann ich mitten auf dem Appalachiantrail mein Ende finden.

Ich muss darueber nachdenken wie ich weiter mache und ob ich weiter mache. Ich bin nicht hier um mich in Gefahr zu bringen, ich will die Natur, den Trail und vor allem mich selbst geniessen. Die Voraussetzungen sind im Moment nicht gut um weiter zu laufen, es befinden sich nur noch ganz vereinzelt Southbounder auf dem Trail, die naechsten sind mir zwei Wochen vorraus, die Temperaturen sind kritisch und das Wetter kann mit den immer hoeher werdenden Bergen noch kaelter werden.

Ich brauche erst einmal eine Pause muss mich erholen, meine koerpereigenen Reserven wieder auffuellen. Fields, den ich in Maine kennengelernt habe, wohnt in der Naehe und er heisst mich herzlich willkommen. Am naechsten Tag mache ich mich von der naechsten Strasse auf dem Weg nach North Carolina, werde nach kurzem warten mitegnommen zum naechsten Bahnhof. In Greensboro erwartet mich ein ein Freund, gutes Wetter und freundliche Leute. Ein toller Platz um sich zu erholen, etwas anderes als die Waelder zu sehen und darueber nachzudenken wie es weiter gehen soll.

Gut 2 500km liegen hinter mir, ich bin tatsaechlich zu Fuss von Maine bis nach Virginia gelaufen, was einer Strecke von Stockholm nach Rom entspricht, oder gut drei mal den Jakobsweg. Ich kann es selbst gar nicht glauben wenn ich es lese und wenn ich versuche mir die Entfernung vorzustellen, wird mir ganz schwindelig.

Veröffentlicht unter Allgemein | 11 Kommentare